Klassenkampf ... oder vielleicht doch nicht!

Diskutiere Klassenkampf ... oder vielleicht doch nicht! im NVA-LSK Forum im Bereich Einsatz bei; In dem Thread über die Leistungsdaten der Mig's kam die Frage auf, ob es wirklich einen ernsthaften Klassenkampf gab, oder nicht! Ich kann mir...

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  1. #1 marmel69, 19.08.2009
    Zuletzt bearbeitet: 19.08.2009
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    In dem Thread über die Leistungsdaten der Mig's kam die Frage auf, ob es wirklich einen ernsthaften Klassenkampf gab, oder nicht!

    Ich kann mir das irgendwie nicht vorstellen.

    Ganz ehrlich. Ich war damals beim BGS an der "innerdeutschen Grenze" eingesetzt. (zuerst Raum Lübeck, danach Helmstedt (Checkpoint Alpha))
    Lasst uns doch bitte mal darüber diskutieren, ob es wirklich einen erntshaften Klassenkampf zwischen den beiden deutschen Staaten (alleine das ist schon eine Streitfrage;) ) gab.

    Meine Meinung ist, dass der Mensch sicherlich ganz anders gedacht hat, als das System es von einem erwartet hat.

    Auch die Offiziere der NVA, die einen sicherheitsrelevanten Posten inne hatten, haben doch bestimmt nicht geglaubt, dass der Feind auf der anderen Seite des Zaunes, im Westen, ist?!?

    Ich könnte hier einige Geschichten aus ebendieser Zeit erzählen, die bestimmt den einen oder anderen auf der "anderen Seite" interessieren dürften.
    Ich weiß gar nicht, wie oft ich von den Grenzaufklärern der NVA mittels Tele-Objektiv geknipst wurde. Ich denke mal, dass die sogar wussten, wann bzw. wie oft ich mich rasiere.:D
    Ich habe auch einige Fotos parat, die zeigen, wie es damals an der innerdeutschen Grenze abging.

    Falls es jemandem interessiert? ... auf geht's!
     
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  3. #2 marmel69, 19.08.2009
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    Ach so, auch beim BGS gab es damals Unterrichte in "politischer Bildung".
    Unsere Lehrer waren natürlich auch der Meinung, "Die Weisheit mit Löffeln" gefressen zu haben!

    Aber wenn ich ehrlich bin, war ich (bzw. waren wir) schon der Meinung auf der richtigen Seite zu stehen.

    Aus der Distanz betrachtet war das natürlich schon etwas anders.;)

    Ich möchte hier anmerken, dass ich nach der "Wende" dienstlich sehr häufig Kontakt mit ehemaligen NVA-Soldaten und Offizieren hatte.
    Ich hatte positive, wie auch negative Erfahrungen. Wobei die positiven überwiegten.
    Das waren echt gute Leute, die wussten, wo es lang geht.
    Ich sage nur die "Passkontrolleinheiten" der Grenztruppen.
    Wenn sich einer mit gefälschten Pässen auskannte, dann diese Leute.
    Vielen wurden dann leider gekündigt.
    Was da an Erfahrung verloren ging!:(

    Diese Leute waren leider die Verlierer der "Wende!".
     
  4. #3 Swisstomcat, 19.08.2009
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    Also...

    ...mich würde das, als Kind des Sozialismus, das ich ja nun mal war, brennend interessieren. Ich war zwar Offizier bei den LSK/LV, konnte mir aber immer bei besten Willen, trotz "Rotlichtbestrahlung" nicht so richtig vorstellen, dass meine knapp älteren Cousins aus dem Westen plötzlich über uns herfallen sollten.
    Auch der umgekehrte Fall bereitete mir Kopfzerbrechen.

    Ein sehr interessantes Thema, was du da vorgeschlagen hast - vielen herzlichen Dank dafür.

    LG

    Thomas
     
  5. #4 glenn, 19.08.2009
    Zuletzt bearbeitet: 19.08.2009
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    Eigentlich ein tolles Thema. Na da bin ich ja mal gespannt, und will hoffen, das man man nicht wieder nur beschimpft wird wenn man seine Meinung sagt wie ich es damals empfand. Also mein Vater war von 1953 bis 1975 Jagdflieger im JG-3, war ein leidenschaftlicher Pilot und in zweiter Linie Offizier und Genosse. Eigentlich wurden wir nicht groß politisch in der Familie beeinflusst, oder man merkte es kaum. Aber wenn ich ehrlich bin, dann haben zum Beispiel die Ansprachen des damaligen Bundeskanzlers an die deutsche Nation mich kaum berührt, da die Bundesrepublik für mich wirklich ein anderes Land war. Ich war auch 3 Jahre als Mechaniker in der TS-24 und ich fand, daß die Bundesrepublik, außer im Politunterricht, jetzt nicht so das große Thema war, bzw. nicht sehr häufig, da man anderes zu tun hatte. Ich denke aber auch, daß viele Offiziere, 50:50 oder so, die Meinung mit dem Klassenfeind hatten. Oder die haben sich nur gut verstellt, dann tun sie es heute auf anderer Ebene aber auch. Ich war nie in der Partei oder sonstwo, weil es mich nicht interessiert hat und wurde auch von niemanden dazu gedrungen. Trotzdem waren mir z.B. damals Tschechen näher als Bundesbürger. Ich kann mir nicht vorstellen, daß nach der Wende aktive Ex-NVA Piloten hier wirklich ihre wahre Meinung preisgeben. Ich brauchte auch so 6-8 Jahre um in dieser Gesellschaft richtig anzukommen, da es nun wirklich ein komplett anderes System und oftmals ein komplett anderes denken war.
     
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  6. #5 marmel69, 19.08.2009
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    Hier ein paar Impressionen aus der Zeit kurz vor der Wende!

    Ich hatte den Auftrag eine Einheit des BFS (British Frontier Service) in den Grenzverlauf der innerdeutschen Grenze einzuweisen.
    Hier ein paar Bilder aus dem Bereich Hötensleben (Nähe Wolfenbüttel - ganz grob gesehen Halberstadt).
    Das hat natürlich unsere Freunde der NVA auf den Schirm gerufen!:FFTeufel:
    Das war die Sache mit den Rasieren.

    Irgendwie war das komisch.
    Die (vom BFS) fragten mich, wie lange meiner Meinung nach die Grenze so noch bestehen würde.
    Ich haben denen gesagt, dass die Grenze garantiert irgendwann fallen wird. Nur kann ich mir nicht vorstellen, dass das in den nächsten 10-Jahren passieren wird.:?!
    O.K. nur 5-Monate später war ich dazu eingesetzt, die ersten Züge mit "Flüchtlingen" aus der Prager Botschaft, im Bereich Ahrweiler, in Empfang zu nehmen.
    Selten habe ich mich so gerne geirrt!:D
     

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  7. #6 marmel69, 19.08.2009
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    Das kann ich verstehen, zumal einige (sehr wenige) noch im aktiven Dienst, nun bei der Bw. / Lw. stehen.

    Wieso sollte Dich jemand dafür "auspeitschen", dass Du Deine eigene Meinung hier "Kund" tust?

    Die Unterschiede machen doch alles erst interessant.
    Man will doch wissen, wie "Die andere Seite" gestrickt war!

    Ich habe mich immer köstlichst über die DDR Sendungen a` la "Der schwarze Kanal!" mir K.E. v. Schni..., amüsiert und auch die Beiträge von "Radar" etc. genossen (nicht Genossen :D )
    Sonntags gab es dann "Mach's mit, mach's nach, mach's besser!". Auch wieder mit einem Adi!. Ich fand die Wettbewerbe immer lustig.

    Die Oberstufe der politechnischnischen Oberschule schießmichtot gegen die ebenso unwichtige andere Oberschule.
    Man, was hatte ich für Langeweile!:FFTeufel:

    Aber absolut genial waren die Kinderfilme in der "Flimmerstunde!".
    So etwas hat man im "Westen" lange suchen dürfen.
     
  8. #7 Rhönlerche, 19.08.2009
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    Ich habe "Alltag im Westen" immer besonders gerne gesehen. :FFTeufel:
    Mit "Dr. Lutz Renner".
     
  9. #8 marmel69, 19.08.2009
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    Das ist mir neu. Was war denn das?
     
  10. glenn

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    Also wenn Dich das so bedrückt hat, dann versteh ich nicht warum Du als Offizier zur Fahne gegangen bist. Ist nicht böse gemeint, nur leuchtet es mir in der Zeit des kalten Krieges, und das war es nun damals, nicht so recht ein. Dann hättest Du ja z.B. auch Förster werden können.:?!
     
  11. #10 Rhönlerche, 19.08.2009
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    Man konnte sehen, wie es mit dem darbenden Imperialismus im kapitalistischen Ausland zu Ende geht und wie die werktätigen Massen von den Monopolen, Ultras und Junkern geknechtet werden. Überall Drogensüchtige und Babyhandel, nicht zu vergessen. Schauder.

    Das ganze war so ne Art mobiler schwarzer Kanal in der Form eines Korrespondentenberichts, oft aus Bonn und irgendwelchen Brennpunkten des Unterdrückungssystems.



    In Kapitel 3 steht auch noch was:
    http://www.kulturation.de/ki_1_rezi.php?id=52
     
  12. glenn

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    Das ist doch aber nicht Dein Thema, oder?
     
  13. Bonne

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    Was ich mich manchmal frage: warum von den FF kaum einer einen Abstecher nach Alhorn oder so gemacht hat.:?! Ehe die CA die Kisten in die Luft bekommen hätten, wäre man über alle Berge! Oder hatten alle FF Familie die mit Konsquenzen rechnen musste?
     
  14. #13 Rhönlerche, 19.08.2009
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    Denke mal, ja. Angeblich konnten einem ja schon Gerüchte über eine ernstere Ehekrise Probleme machen, weiter fliegen zu dürfen.
     
  15. glenn

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    Na ich denke das das nicht nur was mit "Rotlicht" zu tun hatte, die hatten ja meistens auch eine Einstellung zum Osten und ein klein wenig besser gestellt war man schon. Da sieht man aber, daß unsere damaligen Offizier die Sache recht ernst nahmen und wenn ich anfang der 80iger mal mit meinem Vater über so etwas geredet habe, dann sagte er mir doch recht glaubwürdig, daß das gar kein Thema war. Meine Meinung
     
  16. #15 marmel69, 19.08.2009
    Zuletzt bearbeitet: 25.08.2009
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    Das ist ja echt "harter Tobak" für meine (jetzt unsere) gemeinsame Heimat!:D

    Ich war ein echt aufmerksamer und politisch interessierter "Fernseher", aber ich kenne diese Sendung nicht.

    Warum zum BGS?

    Das hört sich jetzt vielleicht etwas gemein an, ist aber nicht so gemeint!:engel:

    Ich habe Verwandschaft in den ehemaligen deutschen Ostgebieten, die jetzt Polen sind. z.B. Danzig, Gotenhafen und Bromberg.
    Ich war zu Zeiten der Werftbesetzung in Danzig, in Polen, und war Augenzeuge der Geschehnisse vor Ort.
    Ich habe selbst gesehen, wie Kolonnen von Milizfahrzeugen vor der Werft standen und genau gegenüber Menschen ihren Angehörigen Essen und anderes durch den Zaun gereicht haben,.
    Die Milizionäre haben nur zugesehen und nichts getan.

    Vorher wurden wir an der DDR-Grenze (Marienborn - mein späterer Grenzabschnitt) von einem Grenzsoldaten ernsthaft drangsaliert, nur weil mein Vater eine pornografische Zeitschrift bei sich hatte. Toll - es war die Praline.
    Unser Volvo wurde wirklich komplett nackich gemacht. Wir haben 8-Stunden gebraucht das Auto wieder zusammen zu bauen.
    In Polen wurden wir wie Gäste behandelt, obwohl die nun wirklich genügend Argumente hatten uns als Deutsche zu hassen.
    Im Gegenteil, die waren sehr aufgeschlossen und nett.
    Da habe ich zum ersten Mal an dem System der DDR gezweifelt.
    Wenn die uns als d (D)eutsche schon so schlecht behandeln, wie läuft es denn mit anderen (den eigenen Leuten)?
    Das System hatte ab da bei mir verloren. Egal wieviele Fehler unser (das Westliche) hatte.
    Die Funktionäre waren meiner Meinung nach einfach nur verstrahlt. (nicht die Leute selbst)

    Hier ein Bild, in welchem Outfit wir damals an der Grenze Streife gegangen sind
     

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  17. Bonne

    Bonne Flieger-Ass

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    Ich denke mal das unsere Großväter die Verwaltungshoheit der "Ostgebiete" im Ergebnis des WW II verspielt haben.Deutschland endet seid 45 an Oder und Neiße!
     
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  18. #17 marmel69, 20.08.2009
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    Natürlich!

    Das wollte ich niemals in Frage stellen!!!!!!
    Ich stelle hiermit klar, dass das jetzt rechtmäßig polnisches Hoheitsgebiet ist!
    Ich gebe zu, dass ich mich falsch ausgedrückt habe.
    Ich wollte damit nur sagen, dass meine Verwandschaft (ehemals deutsch, ... jetzt deutsch/polnisch) dort wohnt.
    Früher war das eben nun einmal deutsch!

    Nicht mehr, ... nicht weniger wollte ich damit sagen!
     
  19. dejavu

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    Die Menschen, welche in der DDR egal wo und und bei WAS gedient haben, waren zunächst mal genauso Menschen wie andere auch.
    Das wird oft vergessen ( oft mit Absicht)

    Nachvollziehen kann ein Aussenstehender eh kaum alles.

    Das ein demokratischer Staat auf Demonstranten prügelt genauso wie eben ein totalitärer Staat auf Flüchtlinge schiesst.
    (nicht vergleichend gemeint !!!!)

    Wo man aufwächst, in welcher Gesellschaft mit ihren Besonderheiten - das formt einen Menschen. Wenn auch natürlich nicht generell.
    Und:
    Der Mensch lernt umzugehen und zu leben mit seiner Welt - er ist nicht für umsonst evolutionstechnisch ein echtes Markenprodukt, ein Erfolgsmodell.

    Nutzen aber kann man nur die Möglichkeiten, welche geboten werden - und KEINE anderen. Da hilft kein Gesäusel ! - das ist Realität.

    Und wer fliegen will, sollte zumindest in einer DDR so tun, als ob er "Kommunist" sei.
    Und das hat er dann eben getan.

    Und der Grenzer ging an die Grenze, damit er sein Medizinstudium bekam.
    Und der Andere ging 4 Jahre zur Volksmarine, weil sein ausbildender VEB im Grunde eine Urwaldschmiede war und er halt doch nach mehr Perspektiven suchte.

    Dem nächsten kam Alles prächtig vor: Nach der guten Schulausbildung die passende Ausbildung bekommmen, genug Beziehungen für Wohnung und Trabbi, der Krippen- und Kindergartenplatz, dazu etwas Devisen ( welche nur rechnerisch 7mal so viel wert waren, wie die Ostmark - aber aus ideologischer Sicht mindestens 30 mal soviel) von der Westverwandschaft: DAS war der ideale Osten - da überlegt man sich, ob man opportuniert.

    "Klassenkampf" ? - das war eine Phrase. Und Phrasen waren nun wirklich nicht nur die DDR-Bürger gewohnt und verfallen. Daran kann man gar nix festmachen.

    Und da stolpert auch gerne noch heute so mancher drüber - und so sieht man im TV eine Doku als "Wittstock statt Woodstock" - welche seinerzeit im DDR-TV sofort ungekürzt gelaufen wäre mit dem Untertitel " Nur Assoziale und Säufer fügen sich nicht in die Sozialistische Gesellschaft ein" ( und hätte die Genossen der DDR extrem bestärkt!)
    (Tatsächlich, da haben die Verantwortlichen echt einen Bock geschossen: Leute, welche auch im Westen heute noch sofort von der Strasse geräumt würden, sind auf einmal Helden von Damals jenseits der Mauer)

    Nein, so einfach ist das nicht.
    Während meiner Dienstzeit gab es gar keinen ernsthaften Gedanken an eine reale militärische Auseinandersetzung mit dem Westen - das war surreal, undenkbar, unbegründet - das machte gar keinen Sinn. Ich gehe sogar so weit zu sagen:
    Das hätte die Masse in der DDR gar nicht mitgemacht.
    Mit einem dritten Weltkrieg, einer Indoktrination des Bösen aus dem Westen konnte man den durchschnittlichen DDR-Bürger - egal ob beim Militäör oder sonstwo - am A. lecken, nicht aber beeindrucken. Beeindruckt war der DDR-Bürger von der D-Mark, einem Daimler und einer ordentlichen Stereo- Anlage.
    Und ein paar wenige auch von Revell-Bausätzen ;)
     
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  21. glenn

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    Du hast fast alles gesagt und das auch noch, aus meiner Sicht, richtig. Danke:TOP:
     
  22. DiDi

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    Hallo, liebes Forum.
    Danke, daß diese Diskussion angeschoben wurde. Vielleicht begreift der eine oder andere, wie tragisch dieses Thema war und auch heute noch ist. Dennoch: als ehemaliger FF der NVA werde ich hier meine Meinung äußern!
    Um es vorweg zu nehmen und eine Ausgangsbasis zu schaffen: ich war bestimmt ein politisch vorbildlicher Offizier und Genosse. Schon in der Schule fiel ich mit meinem disziplinierten Verhalten auf. Ehrlich. Und hatte als normaler 10 ... 15-Jähriger bestimmt nicht nur Freunde. Allen, die es wissen wollten, erzählte ich, daß ich Offizier "zum Schutz der Arbeiter und Bauern-Macht" werden wollte. So war auch der politische Bildungsauftrag der Schule ausgerichtet gewesen. Und meine Einstellung paßte wunderbar in dieses Konzept und die öffentliche politische Meinung. Sprich: ich erfüllte damit, ohne es zu wissen, viele wichtige Voraussetzungen. Und bei dieser Meinung blieb ich, sooft ich gefragt wurde. Auch, als es um meine berufliche Karriere ging. Wer's merkt, ist pfiffig: es war ab einem bestimmten Alter, Reife- und Dienstgrad auch Selbstzweck. Damit läßt sich auch das Phänomen erklären, warum Politiker nie ehrlich sein können.
    Um es zu vereinfachen: ich war einer der wenigen FF in der NVA, der 2 Tage Kasernenarrest aufgebrummt bekam, weil ich mal sinngemäß äußerte: " ... es reicht doch völlig, wenn ich das 3. Plenum des ZK der SED lese und mit einem Kamm einige Passagen unterstreiche ... im 13. steht doch sowieso dasselbe drin ... " Ja, sowas sagt man nur einmal. Der Kasernenarrest war nämlich nur eine der nachfolgenden Disziplinarmaßnahmen :mad: .
    Ich hatte mich entschlossen, daß mir die Fliegerei und auch die Werkstatt-Flüge mehr wert waren. Doch das konnte ich keinem erklären geschweige erzählen. Also verhielt ich mich in meinem eigenen Interesse und weiterhin, wie von mir verlangt, politisch korrekt. Bitte nicht vergessen: es war die Zeit des Kalten Krieges, die politische Wende überhaupt nicht absehbar und der Apparat funktionierte offensichtlich erfolgreich. Mir ging es gut, ich hatte ausreichend Kleingeld und eine Wohnung. Es blieb einem also nichts weiter übrig, wenn man diesen tollen Job weiter machen wollte.
    Im zivilen Bereich sind unzählige Menschen gezwungen gewesen, gegen ihren Willen der Partei beizutreten, nur um im beruflichen Leben voranzukommen oder mehr Geld zu verdienen oder in den Genuß bestimmter Privilegien zu kommen. Ja, so war das damals.
    Ich hatte gesagt, daß in einem militärischen deutsch-deutschen Konfliktfall mit mir, bei einer Befehlsverweigerung, kurzer Prozeß gemacht worden wäre. Da wäre es den dafür Verantwortlichen völlig egal gewesen, wie ich politisch und menschlich meinen deutschen Kameraden von der anderen Feldpostnummer geneigt gewesen war. Als Militär hatte man den Einsatzbefehl auszuführen - Basta!
    Hierbei darf man etwas sehr Wichtiges nicht vergessen: man hatte von Anfang an bei der Studienzulassung und auch später bei der Auswahl der Piloten, die taktische Kernwaffen hätten einsetzen müssen, sehr streng darauf geachtet, daß diese keinerlei Verwandte und Bekannte in Westdeutschland hatten. Somit vermied man gekonnt und nachhaltig emotionale Konflikte, die unweigerlich zur Befehlsverweigerung geführt hätten.
    Mit der politischen Wende wurde es mir mit Unterstützung des unserem Geschwader zugeteilten Bw-Offiziers vom JaboG 33 in Büchel sehr leicht gemacht, diese Zeit zu verstehen und zu verarbeiten. Erst zu diesem Zeitpunkt lernte ich, daß es eine Fliegerkameradschaft gibt und man nicht mehr nur "am Boden ein A..sch und in der Luft 'ne Nummer" war. Meine eigentliche wirkliche politische Wende erlebte ich 1991 während meiner MiG-23ML-Überführungsflüge zur US Airbase nach Ramstein. Die amerikanischen Piloten gaben mir ein neues Selbstwertgefühl, das ich bis dahin nicht kannte und ohne die "Wende" wohl nie gehabt hätte. Die Zeit in Ramstein hat mich für mein weiteres Leben sehr geprägt und viele spätere Entscheidungen beeinflußt. Und: ich hatte plötzlich auch eine deutsch-deutsche Meinung.
    Mit dem Wissen von heute bin ich sehr sehr froh darüber, daß wir keinen deutsch-deutschen Militärkonflikt erleben und "mitgestalten" mußten.
    Dennoch: eine Armee hat immer der Durchsetzung der politischen Ziele der eigenen Regierung zu dienen. Das sollte nicht vergessen werden. Dieses Damoklesschwert schwebte aber auch über den Bw-Piloten und keiner hätte gezögert, mich aus dem Himmel zu schubsen. Da bin ich mir ziemlich sicher. Ich wiederhole mich: Julius Meimberg hat's in "Feinberührung" auf den Punkt gebracht:
    "... wir kämpften wie Sportler, um den Gegner im Zweikampf niederzuringen. Wir sahen uns nicht als von der Politik verdingte Mörder ... "
    Damit läßt es sich leichter leben. Auch heute.
    In diesem Sinne - Euer DiDi :)
     
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