Schicksal B-17-Besatzung

Diskutiere Schicksal B-17-Besatzung im WK I & WK II Forum im Bereich Geschichte der Fliegerei; Märkische Allgemeine, Brandenburg, 13.11.2009:...

Moderatoren: mcnoch
  1. #1 Monitor, 14.11.2009
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    Märkische Allgemeine, Brandenburg, 13.11.2009:
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    Das Soldatengrab in Gutenpaaren Historie Vom Schicksal zweier Amerikaner, deren Bomber 1945 abgeschossen wurde / Ein Beitrag zum Volkstrauertag am kommenden Sonntag
    Von Detlef Tobian


    HAVELLAND In vielen Orten des Havellandes gibt es Soldatengräber, welche die Erinnerung an die letzten Kriegstage im Jahr 1945 wachhalten. Allein in Zachow und Gutenpaaren sind 20 Kriegstote beigesetzt. Im westlichen Teil des Gutenpaarener Friedhofs steht ein schlichtes Steinkreuz. Seine Inschrift teilt mit, dass hier sechs unbekannte Tote sowie Hermann Sannmann und Floyd C. Nyhagen ruhen. Stellvertretend für alle anderen sollen anlässlich des Volkstrauertages am 15. November einige Informationen über die Umstände seines Todes gegeben werden.

    Nyhagen, ein geborener Kalifornier, war der Co-Pilot eines B-17G-Bombers, seit Oktober 1944 in Suffolk (England) stationiert. Am 14. Januar 1945 hatte seine Schwadron den Auftrag, die Magdeburger Öl-Raffinerie zu zerstören. Der Bomber, zu dem Nyhagen gehörte, besaß eine besondere Aufgabe, denn der obere MG-Turm war abmontiert und an dessen Stelle ein Radargerät eingebaut worden. Die B 17 flog über der Formation und sollte deutsche Abfangjäger aufklären.

    Kaum jemand wusste, dass im Herbst 1943 zwischen Zachow und Tremmen ein Nachrichtenturm in Betrieb gegangen war, der das erste deutsche Panoramagerät beherbergte, mit dem Flugzeuge bis in eine Entfernung von 300 Kilometern geortet werden konnten. Dieser Turm war durch ein Kabel mit dem Flakbunker am Berliner Zoo verbunden. Hier befand sich der Befehlsstand der 1. Flak-Division.

    Von dort aus wurden die deutschen Abfangjäger punktgenau an die einfliegenden Bomberverbände geführt, was unter anderem auch Nyhagens Bomber zum Verhängnis wurde. Das Flugzeug wurde über der Roskower Feldmark abgeschossen. Nyhagen gelang es nicht, die brennende Maschine zu verlassen. Deutsche Soldaten zogen ihn aus dem Wrack der B 17, die nahe Gutenpaaren aufschlug. Er wurde am 16. Januar 1945 auf dem Dorffriedhof beerdigt. Sein Kamerad Stewart F. Reid Jr. konnte noch mit dem Fallschirm abspringen, starb aber sofort danach auf einem Feld bei Roskow. Er wurde später in Roskow beigesetzt.

    Die übrigen Besatzungsmitglieder, darunter Charles John Cathcart, konnten sich mit dem Fallschirm retten. Er schilderte nach dem Krieg seine Gefangennahme durch den Roskower Volkssturm: „Ich selbst und etwa ein halbes Dutzend weiterer abgesprungener Amerikaner wurden zusammen getrieben und von der ’Heimatarmee’ Deutschlands gefangen genommen – zu alte Männer und zu junge Burschen, um an der Front von Hitlers Terrorfeldzug zu kämpfen.

    Die Deutschen waren voll bewaffnet und ’zeigten uns, wer das Sagen hatte’, als sie uns in Richtung des Dorfes trieben. Den langen Marsch zum Gefängnis begleiteten die jungen Deutschen, indem sie uns mit Stöcken und Steinen schlugen und uns anspuckten. Sie hatten gelernt uns zu hassen ... glaube ich.“ Cathcart machte aber auch eine andere Erfahrung: „Eine Szene während meiner Kriegsgefangenschaft lässt mich nicht mehr los. Es ist das Bild einer alten Frau, die an einem Lattenzaun steht und weint. Ich habe mich seitdem so oft gefragt, warum sie weinte. Aus Mitleid? Hatte sie einen Sohn bei der Armee? Diese alte Frau jedenfalls repräsentierte das einzige Anzeichen von Mitgefühl, das die Deutschen den gefallenen Luftfahrern gegenüber zeigten.“

    Nyhagen und Reid wurden nach dem Krieg von einem US-amerikanischen Kommando exhumiert und fanden ihre letzte Ruhestätte auf einem großen Soldatenfriedhof in der Nähe der belgischen Stadt Liége.

    Künftig wird eine Informationstafel am Soldatengrab in Gutenpaaren an die bekannten Opfer des letzten Krieges erinnern. So erhalten wenigstens sie wieder ein Gesicht.
     

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  3. Husar

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    Ereignisse dieser Art lassen sich für ganz Deutschland belegen.
    Übringens: Es muß unterer Drehturm, also der Ballturret, heißen, welcher entfernt wurde und durch den ausfahrbaren Radarpott ersetzt wurde.
     
  4. #3 Fourmot, 17.11.2009
    Fourmot

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    Der Bomber, zu dem Nyhagen gehörte, besaß eine besondere Aufgabe, denn der obere MG-Turm war abmontiert und an dessen Stelle ein Radargerät eingebaut worden. Die B 17 flog über der Formation und sollte deutsche Abfangjäger aufklären.

    Hallo Monitor,

    ich beschäftige mich seit längerer Zeit intensiv mit der Boeing B-17.
    Eine derartige Variante ist mir aber völlig neu, was aber nicht heißen soll:" Hat´s nicht gegeben, weil ich es nicht kenne."
    Bekannt sind mir zumindest Einbauten von H2X- "Scannern" in die Belly(or Ball) turret (Bauchkugelturm) Position der B-17G, diese dienten aber lediglich als sogenannte Pathfinder, z.B. bei geschlossener Wolkendecke u.ä., wären aber zum Aufspüren von Jägern eher ungeeignet gewesen.(z.B. Angriff aus der Überhöhung usw.)
    Allerdings möchte ich auch Dein Ansinnen zum Volkstrauertag nicht zerpflücken.

    Gruß
    Micha
     
  5. #4 Monitor, 17.11.2009
    Monitor

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    Vielleicht weiß auch jemand was zu dem Nachrichtenturm mit dem Panorama-Gerät aus #1.
    Dieser müßte auf dem Thyroberg bei Tremmen installiert gewesen sein. Heute stehen dort Windräder.
     
  6. #5 Degalus, 17.11.2009
    Degalus

    Degalus Flieger-Ass

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  8. #6 Monitor, 17.11.2009
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  9. borsto

    borsto Flieger-Ass

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    Guten Abend Monitor !

    Die Maschine ist die B-17 s/n 44-8563 der 487th BG. Sie war wohl etwas Besonderes, weil sie 11 Mann Besatzung hatte und nicht die üblichen 9 Mann. Die beiden zusätzlichen Besatzungsmitglieder waren ein Navigator und ein "Mickey"-operator. Das war die populäre Bezeichnung für das H2X - AN/APS-15 auf Radar-Basis arbeitende Blindbomb- und Navigationsgerät in der 8. AF. Es wurde in den letzten 18 Monaten des Krieges in den Bomb-Groups eingesetzt und es waren zumindest 2 - 4 sogenannte "Pathfinder"-Maschinen pro BG davon vorhanden.

    Das "Mickey"-Gerät war in die Aufnahme des ball-turret eingebaut und konnte nach Bedarf ausgefahren werden. In der Besatzungsliste dieser Maschine gab es sowohl einen BTG (ball-turret-gunner) als auch einen TT (top-turret-gunner).

    In diesem Fall vermute ich, dass es sich um eine ganz normale modifizierte "Mickey" Maschine handelt, die das Radargerät in der Aufnahme des ball-turrets hatte. Der anwesende BTG fungiert möglicherweise als 2. Seitenschütze, der ja zu diesem Zeitpunkt in den B-17 der 8. AF abgeschafft war. Der top-turret war ganz normal eingebaut und wurde auch bedient. Es macht keinen Sinn, ein Radargerät nach oben einzubauen, wenn die Geländeoberfläche darunter abgetastet werden soll.

    Alles Gute !

    borsto
     
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