Frage zur Nachtjagd

Diskutiere Frage zur Nachtjagd im WK I & WK II Forum im Bereich Geschichte der Fliegerei; Was ist der Unterschied zwischen Nah- und Fern- Nachtjagd. Waren die Nah- Nachtjäger 1 Motor in und die der Fernnachtjagd zweimotorig. Was flog...

Rote13

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Was ist der Unterschied zwischen Nah- und Fern- Nachtjagd. Waren die Nah- Nachtjäger 1 Motor in und die der Fernnachtjagd zweimotorig. Was flog die He 219?
Vielen Dank für eure Hilfe
 
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Augsburg Eagle

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Grob gesagt fand die Nahnachtjagd über dem Festland gegen die Bomberan- und abflüge statt. Dort kamen sowohl 1-motorige als auch 2-motorige zum Einsatz.
Die Fernnachtjagd ging bis über die Flugplätze in Großbritannien. Da kamen wegen der Reichweite 2-motorige zum Einsatz.
Die He 219 flog m.W. nur Nahnachtjagd.
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JohnSilver

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Im Lotter Kreuz links oben
Grob gesagt:
Nahnachtjagd kann man als Defensivwaffe zur Abwehr der Bomber oberhalb Deutschlands bzw. der besetzten Gebiete bezeichnen.
Fernnachtjagd ist eher eine Offensivwaffe, die die feindlichen Flugzeuge bei der Landung an ihren Heimatbasen bekämpfen sollte.
Nahnachtjagd ein- und zweimotorig, Fernnachtjagd ausschließlich zweimotorig.

Die He 219 ist meines Wissens nur in der Nahnachtjagd eingesetzt worden.

Edit: Eugen war schneller :squint:
 

Rote13

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Vielen Dank für die schnellen Antworten! Nun bin ich schon mal etwas schlauer
 
AGO Scheer

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Genau.
Beispiel:
Die I./NJG 2 flog mit Ju 88 C zunächst ausschließlich und erfolgreich Fernnachtjagd. Dabei ordneten sich die Jäger auch in den zurückkehrenden Bomberverband ein und wenn dann die Landeprozedere bei den RAF-Bombern eingeleitet wurde, war der optimale Zeitpunkt zum Abschuss.

Es war (laut Bericht Kammhubers) der "Gröfaz" selbst, der das Ende der Fernnachtjagd angeordnet hat, da die Abschüsse auf Feindgebiet oder über See erfolgten und nicht der deutschen Bevölkerung wahrgenommen wurden und es keine Bestätigung durch Auffinden des Bruchs gab, weiterhin da "er" die strategische Defensive hinter die strategische Offensive stellte.

Ab Oktober 1941 war Fernnachtjagd-Ruhe, ab dann nur noch Nachtjagd als taktische Defensive.

Und die RAF hatte keine Erklärung für das Ausbleiben der lästigen Einsätze deutscher Nachtjäger über ihren Flugplätzen...
Denn allein die I./NJG2 hatte bis dahin 141 sichere, 30 unbestätigte Abschüsse, 52 Flugzeuge am Boden zerstört und 58 unbestätigt zerstörte Maschinen.
 
Aziraphale

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Ergänzung: Die He 219 konnte nur Nahnachtjagd fliegen, da die deutsche Fernnachtjagd im Herbst 1941 aufgegeben wurde. Erstflug der He 219 V1 war am 06.11.1942.

Nochmalige Ergänzung: Die Fernnachtjagd wurde am 12.10.1941 durch einen Befehl Hitlers verboten.

Quellen:
Aders, Geschichte der deutschen Nachtjagd, 1977
Held/Nauroth, Die deutsche Nachtjagd, 1987
Remp, Der Nachtjäger Heinkel He 219, 2000
 
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Rote13

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Danke für all die interessanten Information!
 
Husar

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Moien,
letzter Fernnachtjagdeinsatz "Unternehmen Giesela" im März 1945.
h.
 

Rote13

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War dieser Einsatz so etwas wie Bodenplatte?
 
AGO Scheer

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Naja..."Gisela" war ähnlich, ein letzter Einsatz eben. Letzter Abgesang der Luftwaffe.
Strategisch angelegt, in der Wirkung fraglich- wofür?
 

Rote13

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Danke, das wofür fragt man sich ja auch heute.
 

Rote13

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So viel ich darüber gelesen habe ja. Man hatte zum Schutz der landenden Bomber Nachtjäger in der Luft.
 
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Ja, es gab durchaus Gegenmaßnahmen, allerdings waren diese nicht speziell gegen die Fernnachtjagd gerichtet, sondern gegen alle Einflüge (v.a. Bomber).
 
AGO Scheer

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Moin Robert,
wie von den Kollegen schon geschrieben: Ja, aber unmittelbar am Platz war das schwierig.
Wenn die Platzbefeuerung anging, war das Bekämpfen der einschwebenden Bomber sogar beinahe simpel.
Zu Beginn der FNJ hatten die Do 17 zusätzlich noch Brandbomben dabei, um Schäden am Boden zu generieren und als Nebeneffekt: Bei Abschalten der Befeuerung blieb der Platz "sichtbar".
Auch eingesetzte RAF Nachtjäger wurden abgeschossen, da gab es z.B. einen landenden engl. Jäger, der, als er von NJG beschossen wurde, noch Erkennungssignal schoss, weil er meinte in "Friendly Fire" geraten zu sein... Die leichte Flak am Platz hatte es auch nicht leicht, zu unterscheiden. Dennoch gab es auch Abschüsse von deutschen Nachtjägern. (Siehe Gruppenchronik NJG2) Dennoch überwogen die Abschüsse von Bombern die deutschen Verluste zu Anfang der FNJ deutlich. Das änderte sich bekanntlich gravierend. "Gisela" war da eine Ausnahme, mit einer nahezu patt Situation. Nach meiner Erinnerung 34:35 Verluste. Bis dahin waren die NJG aber schon fertig : Fühlungshalter,(ab 41/42), Tagjagd- und (!) Nachtjagdeinsätze (44) bis zum völligen Verheizen der Staffeln...
 
Hagewi

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Und dann gab es noch die Fernnachtjagd der RAF und sogar der USAF. Schon beginnend 1941 mit der Hurricane über Frankreich uns später insbesondere mit Beaufighter und Mosquito (aber auch anderen Typen) über Deutschland.

Hier eine Liste über die RAF "Aces": List of World War II aces from the United Kingdom - Wikipedia Da kommt einiges zusammen.
 

gardener

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Die Fernnachtjagd war tatsächlich im Oktober 1941 vorbei, in Nordafrika flog die I./NJG 2 noch bis Ende Juli 1942 Nachtjagdeinsätze (freilich wohl keine echte Fernnachtjagd).
Ein Buch, das in Aziraphales Bücherliste definitiv fehlt, ist:
Möhlenbeck/Leise: Ferne Nachtjagd. Stuttgart: Motorbuchverlag 1973
Otto Möhlenbeck war Truppenarzt im I./NJG 2 und kann als Insider die gesamte Geschichte der Gruppe
mit Verlusten und Abschußzahlen berichten.
 
Aziraphale

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Ja, um das ganze vollständig zu machen, gibt es auch noch zwei Bücher von Heinz Rökker (der selbst Fernnachtjäger war):
Chronik I. Gruppe Nachtjagdgeschwader 2 I. /NJG 2, VDM, 1997
Ausbildung und Einsatz eines Nachtjägers im II. Weltkrieg, VDM, 2006
 
AGO Scheer

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Stimmt, Möhlenbecks Buch ist auch top! Mein Onkel Willi war bei diesem Verein und bekam nach zwei Eisernen Kreuzen eins aus Holz bei El Daba.
In seinem Nachlass finden sich auch reichlich Belege, dass diese Gruppe keine Fernnachtjagd mehr flog. Es ging nur noch darum, taktischen oder strategischen Angriffen britischer Bomberverbände (Wellington) zu begegnen oder als Fühlungshalter über dem Mittelmeer am Tage rumzugondeln.. Von einer strategischen Defensive im Sinne der Fernnachtjagd war keine Rede mehr.

Ich konnte noch etliche seiner ehemaligen Gruppenangehörigen bei den Treffen der Ex-NJGler in Laage kennenlernen. Waren interessante Persönlichkeiten...selbst sein bester Freund (Hans Sütterlin, der kleinste Mann der Luftwaffe) hatte überlebt...aber inzwischen sind längst alle "zum letzten Flug angetreten".

Übrigens: Da kommt auch bald vom Theo Boiten ein neues Buch zu der Thematik- Das wird sicher top.
Ich hatte ihm dafür auch Fotos zur Verfügung gestellt und im Gegenzug schon mal Fotos von der R4+FL gesehen, die mir völlig unbekannt waren.
Die Vorfreude ist schon groß!
 
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