WK II, Technik im detail, Unterschiede Reich, Gegner?

Diskutiere WK II, Technik im detail, Unterschiede Reich, Gegner? im WK I & WK II Forum im Bereich Geschichte der Fliegerei; 35 Seiten, hätte, wäre, was... Respekt! Gestern war es dunkler als draußen!

Mercur

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@Sens
Das Vorgehen der Alliierten war ab 1943 halbwegs koordiniert - so wurden die Landung auf Sizilien mit der möglichen sowj. Sommeroffensive ebenso (grob) abgesprochen wie die Sommeroffensive der Ukrainer, Weissrussen, Balten, Armenier, Georgier, Usbeken, Kasachen und und und... im Sommer 1944 im Nachhang der Landung in der Normandie. Immerhin war klar, dass die Sowjets die bessere Chance hatten einen räumlich weiten Vorstoß zu unternehmen während die Westalliierten vielleicht zu der Zeit immer noch in der Normandie stehen würden. Die Hoffnung lag darin, dass die Deutschen zuerst viele ihrer Truppen im Osten wg, der Landung in der Normandie abziehen und diese dann, nach dem Angriff der Sowjetarmee, prompt wieder zurückverlegen müssen so das es am Ende an beiden Fronten an besser ausgerüsteten und gepanzerten Verbänden fehlt. Auch für 1945 gab es grobe Absprachen, allerdings waren da die Deutschen mit ihrer Ardennen-Operation die "Spielverderber" weshalb die Westalliierten die Sowjetunion mehrfach zur Vorverlegung ihrer Winteroffensive drängte als deren Armee noch nicht ganz so weit war.
Auch der Angriff der Sowjetunion auf Japan war mit den Westalliierten klar abgesprochen - die hielten sich genau an die Absprache, kündigten ihren Vertrag mit Japan (was denen mehr Angst machte als die erste A-Bombe!) und begruben somit die Hoffnung Japans diesen Krieg noch länger durchzustehen. Denn unter dem Tisch machten ihnen die bisher ach so Vertragstreuen und friedlichen Kommunisten sicher mehr Angst als die Amerikaner mit welchen man seit Jahren Krieg führte und welche gerade dabei waren jede Großstadt in Japan zerstören.

@alois
Berlin war ab Anfang 1945 meines Wissens nach kein mögliches A-Ziel mehr und wurde daher zur neuerlichen mehrfachen Flächenbombardierung freigegeben. Die rudimentären Planungen hierfür hatten zwar kaum Substanz aber man rechnete ja auch Anfang 1945 nicht mehr so schnell mit einer einsatzbereiten Bombe während die Verteidigungsmöglichkeiten des Reiches ebenso schnell abnahmen wie die Zahl der noch nicht schwer bombardierten Großstädte in ebendiesen. "Bevorzugt" wurde wohl bei der Zielauswahl für einen "Ersteinsatz" eine mittelgroße bis große Stadt in Küstennähe (bzw. nur geringer Eindringtiefe über Festland) welche bisher nur wenige Angriffe erlebt hatte. Man wollte - im Falle eines Fehlschlages - die Option haben die Bombe ins Meer zu werfen und nur wenig Gegenwehr erwarten sowie in Reichweite der Aufklärung bleiben um die Folgen im weiteren Kriegsverlauf auch regelmäßig beobachten zu können.

@All
Den hier mehrfach angebrachte Vorwurf der Ressourcenbindung kann man auch den USA machen - die haben für ihre 3 ersten Bomben ("Trinity" und dann die 2 Abwürfe über Japan) unglaubliche Ressourcen aufgewendet, und das an Menschen, Geld, Zeit und Material. Dafür hätten sie bereits ab 1943 locker einige Tausend Bomber mehr (bzw. die B-29 früher) bauen und besetzen können welche mit konventionellen und Brandbomben - gerade über Japan mit der B-29 - insgesamt mehr Wirkung erzielten denn sie hätten ja jede Woche 1-2 Großstädte mehr platt gemacht als sie es schon so taten.
Und unter dem Strich war die V1 nur in Bezug auf die Verluste (unter Häftlingen und Zwangsarbeitern) bei der Herstellung nur die von den Nazis erhoffte Massenvernichtungswaffe welche jedoch bereits ab Herbst 1944 keine der in sie gesetzten Erwartungen mehr erfüllte - weder als verlängerter Arm der Artillerie da viel zu ungenau, noch als Terrorwaffe gegen Großbritannien da sie dort nur noch selten ankam. Und auch sie band gewaltige Ressourcen welche Deutschland an anderer Stelle fehlten. Rechnet man alles zusammen - also sogar noch das Wachpersonal der Lager, den Unmengen von verbauten Beton für die ersten Rampen, dem hohen Spritverbrauch für die He-111-Trägerflugzeuge in Zeiten zu denen Treibstoff schon sehr knapp war, dem Bedarf an Transportmitteln kommt da auch einiges zusammen was wohl dem Gegenwert einiger Divisionen für den Fronteinsatz entspräche.
 

Michael aus G.

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leider zu weit wech von einem richtigen Flugplatz
Die meisten Abschüsse von V-1 gingen auf das Konto von Tempest V, dicht gefolgt von Mosquitos, danach abgeschlagen Spitfire XIV (knapp halb so viele), dann Mustang III. Schlusslicht war die noch nicht ganz einsatzreife Meteor.
Eigentlich hatte die Flak die meisten Abschüsse(~1900), danach Jäger(~1800), gefolgt von Ballonsperren(~200).
 
Doppelnik

Doppelnik

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@All
Den hier mehrfach angebrachte Vorwurf der Ressourcenbindung kann man auch den USA machen - die haben für ihre 3 ersten Bomben ("Trinity" und dann die 2 Abwürfe über Japan) unglaubliche Ressourcen aufgewendet, und das an Menschen, Geld, Zeit und Material. Dafür hätten sie bereits ab 1943 locker einige Tausend Bomber mehr (bzw. die B-29 früher) bauen und besetzen können welche mit konventionellen und Brandbomben - gerade über Japan mit der B-29 - insgesamt mehr Wirkung erzielten denn sie hätten ja jede Woche 1-2 Großstädte mehr platt gemacht als sie es schon so taten.
Und unter dem Strich war die V1 nur in Bezug auf die Verluste (unter Häftlingen und Zwangsarbeitern) bei der Herstellung nur die von den Nazis erhoffte Massenvernichtungswaffe welche jedoch bereits ab Herbst 1944 keine der in sie gesetzten Erwartungen mehr erfüllte - weder als verlängerter Arm der Artillerie da viel zu ungenau, noch als Terrorwaffe gegen Großbritannien da sie dort nur noch selten ankam. Und auch sie band gewaltige Ressourcen welche Deutschland an anderer Stelle fehlten. Rechnet man alles zusammen - also sogar noch das Wachpersonal der Lager, den Unmengen von verbauten Beton für die ersten Rampen, dem hohen Spritverbrauch für die He-111-Trägerflugzeuge in Zeiten zu denen Treibstoff schon sehr knapp war, dem Bedarf an Transportmitteln kommt da auch einiges zusammen was wohl dem Gegenwert einiger Divisionen für den Fronteinsatz entspräche.
Da glaub ich nicht dran, ich hab z.B. so eine Abschussrampe in Peenemünde gesehen, das war keine beeindruckende Menge an Beton, vor allem dann nicht, wenn man bedengt welche unglaublichen Unmengen an Beton (Westwall, Flaktürme, Führerbunker) damals sinnlos verbaut worden sind. Die Abschussrampen waren totale Peanuts dagegen!

Trägerflugzeuge kamen nur in Ausnahmefällen zum Einsatz und diese mussten viel kürzere Strecken zurücklegen als wenn sie die Bomben selber zum Ziel gebracht hätten. Die V1 brauchte auch keinen hochoktanigen Sprit, an dem es in Deutschland besonders gemanglet hatte. Auch wurden keine wichtigen "Sparstoffe" eingesetzt, es reichte Baustahl und Holz (und ein kleines bisschen Federstahlt). Für Bomber wäre ein viel höherer materieller und logistischer Aufwand nötig gewesen, den man im letzten Drittel des Krieges sicher gar nicht mehr leisten konnte.

Es klingt so zynisch wie es war, aber die KZ Häftlinge mussten sich zu Tode schufften, wenn es die V1 nicht gegeben hätte, dann hätten sie keinen Urlaub bekommen, sondern andere Tätigkeiten machen müssen welche den Krieg sehr wahrscheinlich genausowenig oder noch weniger zu "Gunsten" Deutschlands hätten beeinflussen können. Der Aufwand an Wachpersonal hätte natürlich auch weiter bestanden.
 
T6G

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Es klingt so zynisch wie es war, aber die KZ Häftlinge mussten sich zu Tode schufften, wenn es die V1 nicht gegeben hätte, dann hätten sie keinen Urlaub bekommen, sondern andere Tätigkeiten machen müssen welche den Krieg sehr wahrscheinlich genausowenig oder noch weniger zu "Gunsten" Deutschlands hätten beeinflussen können. Der Aufwand an Wachpersonal hätte natürlich auch weiter bestanden.
Jetzt sollte hier langsam geschlossen werden, tiefer geht s wohl nicht.
Die KZ-Häftlinge waren so oder so zum Tode verurteilt, auch wenn sie noch so Kriegswichtige Aufgaben erledigten.

Ansonsten siehe Post #701, das Licht was noch da ist, sind sicher keine Geistesblitze!
 
Doppelnik

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Es geht um die Logik des 3 Reichs, da waren Zwangsarbeiter leider eine billige Recource von der reichlich gebrauch gemacht wurde. Das ging weit über die Rüstungsproduktion hinaus und halt auch für zivile Aufgaben. Es hilft nicht, die Augen davor zu verschließen!
 

alois

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Berlin war ab Anfang 1945 meines Wissens nach kein mögliches A-Ziel mehr und wurde daher zur neuerlichen mehrfachen Flächenbombardierung freigegeben. Die rudimentären Planungen hierfür hatten zwar kaum Substanz aber man rechnete ja auch Anfang 1945 nicht mehr so schnell mit einer einsatzbereiten Bombe während die Verteidigungsmöglichkeiten des Reiches ebenso schnell abnahmen wie die Zahl der noch nicht schwer bombardierten Großstädte in ebendiesen. "Bevorzugt" wurde wohl bei der Zielauswahl für einen "Ersteinsatz" eine mittelgroße bis große Stadt in Küstennähe (bzw. nur geringer Eindringtiefe über Festland) welche bisher nur wenige Angriffe erlebt hatte. Man wollte - im Falle eines Fehlschlages - die Option haben die Bombe ins Meer zu werfen und nur wenig Gegenwehr erwarten sowie in Reichweite der Aufklärung bleiben um die Folgen im weiteren Kriegsverlauf auch regelmäßig beobachten zu können.
Auch dafür bot Deutschland Möglichkeiten, wie Wilhelmshafen, Bremen, Hamburg, Kiel. Wichtige Häfen, teils Großstädte, alle am Meer, teils wichtige Industriestädte, teils wichtige militärische Häfen... Genug Auswahl. Deutschland galt als der wichtigste Gegner und als solcher hätte er auch die Atombombe abbekommen, wenn die Deutschen länger durchgehalten hätten.
 

Jubernd

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Jetzt sollte hier langsam geschlossen werden, tiefer geht s wohl nicht.
Die KZ-Häftlinge waren so oder so zum Tode verurteilt, auch wenn sie noch so Kriegswichtige Aufgaben erledigten.
Genau so war es. Deshalb war die Bemerkung von Skorzeny um so zynischer, als er während des Tauchgangs im Toplitzsee gegenüber Prof. Fricke äußerte, dass ja die Häftlinge der Aktion Bernhard ihr Leben haben verlängern können.
 

Mercur

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@alois
Wilhelmshaven und Kiel waren als wichtigste Hauptstützpunkte der Kriegsmarine fast während des ganzen Krieges hindurch Ziel vieler Angriffe, einige davon waren auch sehr schwer und trafen nicht nur primär die Häfen, Werften, Docks sowie Industrie- und Verkehrsanlagen. Die Stadt Wilhelmshaven wurde besonders schwer im Oktober 1944 getroffen während sich allein in den letzten 4 Kriegswochen noch mehrere schwere Angriffe gegen Kiel richteten.

Hamburg war bereits vorher zu zerstört und auch Bremen bzw. Emden waren (von der 1945 vorhandenen baulichen Substanz her) nicht mehr "geeignet". Zudem verfügten diese Städte auch noch Anfang 1945 über eine relativ starke Flak - als diese dann teilweise für den Erdkampf abgezogen wurde, stand für die Handvoll Eingeweihter innerhalb der Westalliierten schon fest, dass die A-Waffe nicht vor dem sehr schnellen Zusammenbruch Deutschlands verfügbar sein würde. In diesen Städten gab es auch viele Luftschutz-Bunker für die Bevölkerung und das stand dem "Testgedanken" für so einen Einsatz entgegen denn man wollte ja die Wirkungen auf eine relativ unzerstörte Stadt + deren Einwohner sehen!

Wilhelmshaven war aber trotzdem lange nicht "außen vor" denn als Hauptstützpunkt der Kriegsmarine hätte man ja eine gute "Rechtfertigung" für einen möglichen Einsatz welche man den europäischen Siegern hätte geben können bzw. müssen.
Kleinere Städte wie z.B. Oldenburg waren dagegen Anfang 1945 nicht zu zerstört, lagen in relativer Küstennähe und Aufklärungsreichweite und wurden selbst auch nicht zu sehr verteidigt.

Aber diese Planungen waren nie wirklich substanziell - zum einen hatte man keine große Ahnung von der Wirkung so einer Waffe, viel zu wenige "echte" Entscheidungsträger in den höchsten Stäben der alliierten Streitkräfte wussten überhaupt etwas und so baten Letztere wohl nur um eine Liste möglicher Ziele bzw. darum einige Städte (vorerst) nicht mehr anzugreifen ohne das die Angriffs-Planer in den Luftstreitkräften überhaupt wussten, warum und wozu.
 

Jubernd

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@alois


Aber diese Planungen waren nie wirklich substanziell - zum einen hatte man keine große Ahnung von der Wirkung so einer Waffe, viel zu wenige "echte" Entscheidungsträger in den höchsten Stäben der alliierten Streitkräfte wussten überhaupt etwas und so baten Letztere wohl nur um eine Liste möglicher Ziele bzw. darum einige Städte (vorerst) nicht mehr anzugreifen ohne das die Angriffs-Planer in den Luftstreitkräften überhaupt wussten, warum und wozu.
Und es gibt auch noch die umstrittene Behauptung, dass ohne die nach der Kapitulation in D. beschlagnahmten Uranbestände eine schnelle Fertigung einer oder gar mehrerer Kernwaffen nicht möglich gewesen wäre.
 

alois

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Diese ist aber wirklich sehr umstritten...
 

Sens

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@alois
Wilhelmshaven und Kiel waren als wichtigste Hauptstützpunkte der Kriegsmarine fast während des ganzen Krieges hindurch Ziel vieler Angriffe, einige davon waren auch sehr schwer und trafen nicht nur primär die Häfen, Werften, Docks sowie Industrie- und Verkehrsanlagen. Die Stadt Wilhelmshaven wurde besonders schwer im Oktober 1944 getroffen während sich allein in den letzten 4 Kriegswochen noch mehrere schwere Angriffe gegen Kiel richteten.

Hamburg war bereits vorher zu zerstört und auch Bremen bzw. Emden waren (von der 1945 vorhandenen baulichen Substanz her) nicht mehr "geeignet". Zudem verfügten diese Städte auch noch Anfang 1945 über eine relativ starke Flak - als diese dann teilweise für den Erdkampf abgezogen wurde, stand für die Handvoll Eingeweihter innerhalb der Westalliierten schon fest, dass die A-Waffe nicht vor dem sehr schnellen Zusammenbruch Deutschlands verfügbar sein würde. In diesen Städten gab es auch viele Luftschutz-Bunker für die Bevölkerung und das stand dem "Testgedanken" für so einen Einsatz entgegen denn man wollte ja die Wirkungen auf eine relativ unzerstörte Stadt + deren Einwohner sehen!

Wilhelmshaven war aber trotzdem lange nicht "außen vor" denn als Hauptstützpunkt der Kriegsmarine hätte man ja eine gute "Rechtfertigung" für einen möglichen Einsatz welche man den europäischen Siegern hätte geben können bzw. müssen.
Kleinere Städte wie z.B. Oldenburg waren dagegen Anfang 1945 nicht zu zerstört, lagen in relativer Küstennähe und Aufklärungsreichweite und wurden selbst auch nicht zu sehr verteidigt.

Aber diese Planungen waren nie wirklich substanziell - zum einen hatte man keine große Ahnung von der Wirkung so einer Waffe, viel zu wenige "echte" Entscheidungsträger in den höchsten Stäben der alliierten Streitkräfte wussten überhaupt etwas und so baten Letztere wohl nur um eine Liste möglicher Ziele bzw. darum einige Städte (vorerst) nicht mehr anzugreifen ohne das die Angriffs-Planer in den Luftstreitkräften überhaupt wussten, warum und wozu.
Die hatten die ungewollte Aufmerksamkeit im Luftkrieg der U-Boot-Produktion zu verdanken. Bei aller Spekulation, der nur geplante Einsatz der Atombombe gegen Deutschland war von den Ereignissen längst überholt. Dazu gehörte vor allem die erfolgreiche Landung in Nordfrankreich und kurz darauf die Operation Bagration. Schon 1944 galt Deutschland als Kapitulationsreif und der erste erfolgreiche Test der A-Bombe war erst im Juli 1945.
Nur bei Japan sah es noch anders aus.
Es kann Niemanden verwundern, dass Präsident Truman da die nukleare Option, die ihm zur Verfügung hatte, bevorzugt hat.
 

Jubernd

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Wenn ich das richtig sehe, war das Territorium der wichtigsten Uranlagerstätten 1945 von den Amerikanern besetzt (Westsachsen).
Wismut karte - Wismut (Unternehmen) – Wikipedia

Die wussten aber anscheinend von dem Uran nichts.
Es geht um das vorhandene Uran, von welchem immer mal wieder Details bekannt werden:
"Aus diesen Unterlagen geht hervor, dass die Deutschen neben den erwähnten 659 Uranwürfel über rund 400 weitere verfügten. Sie gehörten zu einem anderen Versuch der Forschergruppe aus Gottow, der allerdings aufgegeben worden war. Hätte man beide Bestände zusammengeführt, hätte das eine im wahrsten Sinn des Wortes explosive Ansammlung von Uran gegeben. Denn, „das kombinierte Inventar wäre mehr als ausreichend gewesen, um im B-VIII-Reaktor Kritikalität zu erreichen“, urteilen Koeth und Hiebert" (focus.de)
 

Mercur

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@Jubernd
Also - hier wurde schon mehrfach dargelegt, dass die deutsche Atomforschung zwar auf dem theoretischen Sektor - danke einiger hervorragender Wissenschaftler - sehr gut war aber in der (Kriegs-)Praxis mangels Zeit, Ressourcen, Mittel und deutlich mehr Druck "von oben" sehr schnell hinter der Leistungsfähigkeit der Alliierten zurückgefallen war. Viel Uran hatte man den ganzen Krieg über auch nicht gewinnen können und bei der erforderlichen Anreicherung gab es ebenso massive Probleme wie beim Erzielen einer Kernspaltung.
Rechnet man da einiges zusammen kommt man schnell zu keinem glaubwürdigen Ergebnis. Selbst wenn die US-Streitkräfte eine gewisse Menge Uran Transportbereit in der Wismut vorgefunden hätten - allein die fachgerechte Sichtung, der Transport zu einem einsatzbereiten Hafen, die Überfahrt in die USA (bestenfalls mit einem schnelleren Kriegsschiff), der Transport in die Wüste von New Mexico, die Be- und Verarbeitung zu waffentauglichen Material und dem Einbau in die ersten 3 Sprengsätze waren sicher nicht sehr schnell und einfach zu bewerkstelligen - 9 Wochen zwischen Kapitulation der Wehrmacht und Trinity halte ich für aussichtslos.
Dafür spricht auch, dass die Sowjetunion ab 1946 sehr viel Druck in der Wismut machte und trotzdem erst 1949 zu einer einsatzbereiten Bombe kam obwohl sie die theoretischen (aber nur wenige technische) Grundkenntnisse bereits ab 1945 erfolgreich "erworben" hatte.

@Sens
Die Westalliierten waren im Winter 1944/45 für kurze Zeit in ihrer Euphorie etwas gebremst - auf der einen Seite war die Sowjetarmee ja im Osten kurz vor Warschau zum Stehen gekommen und J. S. erweckte durchaus den Eindruck, dass sie nicht so schnell wieder angreifen würde weil die Versorgungslinien völlig überdehnt wären.
Zum andere waren im Westen ja die riesigen Luftlandungen (z.B. Arnheim) nicht gut gelaufen, der Vorstoß Richtung Niederlande und Reichsgebiet gestoppt (und damit die Idee mal schnell bis Berlin marschieren zu können) und dann kam ihnen auch noch der Angriff in den Ardennen "dazwischen". In dieser Phase hatte man wohl schon einige Hoffnungen bzw. auch Befürchtungen den Krieg in Europa mit einer A-Bombe entscheiden zu können/ müssen und das war wohl auch die Zeit, in der sich sehr wenige Köpfe mal Gedanken über mögliche Ziele machten falls die Bombe schnell einsatzfähig wäre. Nun ja... das war sie nicht und als dann die Sowjetarmee dann doch im Januar 1945 ihre lang erwartete Offensive antrat (Weichsel-Oder-Operation), in Ungarn auch vom Süden her vorstieß während im Westen die Ardennenschlacht auch zum Abschluss kam wurde schnell klar, dass die kurzen Befürchtungen über einen längeren Kriegsverlauf in Mitteleuropa unbegründet waren und letztendlich war der Krieg ja schneller zu Ende als viele auf beiden Seiten der Front noch Ende 1944/ Anfang 45 dachten.
 

Michael aus G.

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leider zu weit wech von einem richtigen Flugplatz
Denn, „das kombinierte Inventar wäre mehr als ausreichend gewesen, um im B-VIII-Reaktor Kritikalität zu erreichen“, urteilen Koeth und Hiebert" (focus.de)
Gemeint ist aber lediglich eine sich selbst erhaltende Kernspaltung. Keine unkontrollierte Kettenreaktion. Eben nur die Vorstufe der "Uranmaschine"(Reaktor). Für weitere Versuche oder gar genügend hochangereichertes Uran für auch nur eine einzige Bombe, hätten selbst die 1200t belgisches Uranerz, die in Stassfurt gelagert waren, garnicht ausgereicht. Von den nichtvorhandenen Produktions- und Anreicherungsequipment nicht zu reden.

Die Untersuchung von Timothy Koeth und Miriam Hiebner betraf den 2013 an der University of Maryland aufgefundenen Uranwürfels.
Tracking the journey of a uranium cube
 
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Sens

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@Sens
Die Westalliierten waren im Winter 1944/45 für kurze Zeit in ihrer Euphorie etwas gebremst - auf der einen Seite war die Sowjetarmee ja im Osten kurz vor Warschau zum Stehen gekommen und J. S. erweckte durchaus den Eindruck, dass sie nicht so schnell wieder angreifen würde weil die Versorgungslinien völlig überdehnt wären.
Zum andere waren im Westen ja die riesigen Luftlandungen (z.B. Arnheim) nicht gut gelaufen, der Vorstoß Richtung Niederlande und Reichsgebiet gestoppt (und damit die Idee mal schnell bis Berlin marschieren zu können) und dann kam ihnen auch noch der Angriff in den Ardennen "dazwischen". In dieser Phase hatte man wohl schon einige Hoffnungen bzw. auch Befürchtungen den Krieg in Europa mit einer A-Bombe entscheiden zu können/ müssen und das war wohl auch die Zeit, in der sich sehr wenige Köpfe mal Gedanken über mögliche Ziele machten falls die Bombe schnell einsatzfähig wäre. Nun ja... das war sie nicht und als dann die Sowjetarmee dann doch im Januar 1945 ihre lang erwartete Offensive antrat (Weichsel-Oder-Operation), in Ungarn auch vom Süden her vorstieß während im Westen die Ardennenschlacht auch zum Abschluss kam wurde schnell klar, dass die kurzen Befürchtungen über einen längeren Kriegsverlauf in Mitteleuropa unbegründet waren und letztendlich war der Krieg ja schneller zu Ende als viele auf beiden Seiten der Front noch Ende 1944/ Anfang 45 dachten.
Das Scheitern des Umgehungsversuches bei Arnheim brachte die Alliierten in kurzer Zeit immerhin über die Maas und an den Rhein.
Ein Blick auf die Karte und das Scheitern schon am zweiten Tag dürfte wohl mehr ein Erstaunen bei den OBs hervorgerufen haben.
Das Kräfteverhältnis hatte sich sogar noch zugunsten der Alliierten verschoben.

Anfang Februar ging es nur noch um die Nachkriegsordnung und die Besatzungszonen.

Die Alliierten warteten an der Elbe auf die Rote Armee. Das Stalin auf die militärische Eroberung Berlins bestand, war wohl mehr dem Prestigedenken geschuldet.
 

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Und es gibt auch noch die umstrittene Behauptung, dass ohne die nach der Kapitulation in D. beschlagnahmten Uranbestände eine schnelle Fertigung einer oder gar mehrerer Kernwaffen nicht möglich gewesen wäre.
Diese ist aber wirklich sehr umstritten...
Das ist nicht umstritten sondern weitestgehend quatsch. Ja die Amerikaner haben höchstwahrscheinlich auch deutsches Uran verwendet. Aber die Uranbombe (Little Boy) galt schon zu dem Zeitpunkt der Plutoniumbombe (Fat Man) klar unterlegen. Daher ist auch die Fat Man in Serienproduktion gegangen.
 
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